Im März 2026 wurde Wien zum gemeinsamen Lernraum für rund 40 Studierende und Lehrende aus vier europäischen Hochschulen: der FHWien der WKW (Österreich), der Iscte – Instituto Universitário de Lisboa (Portugal), der Università Iuav di Venezia (Italien) sowie der Universidad Nacional de Educación a Distancia – UNED (Spanien) – und zwar im Rahmen eines Erasmus+ geförderten Blended Intensive Programme (BIP), das von Cornelia Dlabaja und Danjela Wagner bereits zum zweiten mal in Wien für den Master-Studiengang Urban Tourism & Visitor Economy Management der FHWien der WKW organisiert wurde. Eine Woche lang setzten sich acht internationale Forschende und 40 Studierende intensiv mit dem Thema „Urbane Transformation im Wechselspiel von Leerstand, Tourismus und Kurzzeitvermietungen“ auseinander.
Fünf Tage lang arbeiteten Studierende aus den Fachbereichen Architektur, Stadtplanung, urbaner Anthropologie und Tourismus zusammen. Sie analysierten urbane Räume, diskutierten aktuelle Herausforderungen und entwickelten in internationalen, interdisziplinären Teams konkrete Lösungsansätze.
„Das Programm zeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen unterschiedlichen Fachrichtungen und Perspektiven ist. Gerade bei komplexen urbanen Fragestellungen entstehen so neue, tragfähige Lösungsansätze“, betont Cornelia Dlabaja, Stiftungsprofessorin für nachhaltige Stadt- und Tourismusentwicklung und Organisatorin des Programms.
Auftakt mit fachlichen Impulsen
Der Montag stand im Zeichen theoretischer Grundlagen und methodischer Zugänge. Vorträge von Cornelia Dlabaja, zur Aufgabenstellung und dem Programm “Urbane Transformationen im Wechselspiel von Tourismus, Kurzzeitvermietung und Stadtentwicklung”, von Prof. Dr. Alexandra Paio zu “Urban Commons”, von Prof. Dr. Giovanna Marconi zu “Urban Analysis & Mapping, Evaluation of Space”, sowie zu “Touristische Beherbergungen in Wien” von Daniela Wagner vermittelten wichtige Werkzeuge für die folgenden Tage. Ergänzt wurde das Programm durch Einblicke in die Wiener Visitor Economy Strategie von Jana Werl von WienTourismus. Am Nachmittag wurde von Androniki Pappa mittels eines Serious Game-Ansatzes zu Stadtentwicklung in komplexen Akteurssettings spielerisch der Einstieg ins Thema gegeben.
Stadtraum als Lernort
Am Dienstag verlagerte sich das Lernen direkt in die Stadt. Die gemeinsame Exkursion mit Grünen-Bezirksklubobmann Silvio Heinze von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖWA) und dem Ombudsmann Rene Patschok durch den 7. Bezirk und den Spittelberg machte zentrale Herausforderungen sichtbar: steigender Druck durch Kurzzeitvermietungen, Nutzungskonflikte im Erdgeschoßbereich und die Auswirkungen touristischer Attraktivität auf die Lebensqualität der BewohnerInnen. Auch selbstorganisierte Kulturräume wie das Amerlinghaus wurden thematisiert.
Im Anschluss führte der Weg durch die Innere Stadt – vom Maria-Theresien-Platz über den Stephansplatz bis zum Schwedenplatz. Hier lag der Fokus des Inputs von Cornelia Dlabaja auf dem Spannungsfeld zwischen Nutzungsdichte durch den Tagestourismus und stadtplanerischen Aspekten wie Barrierefreiheit, alltagsgerechte Aspekte und Ansätze des Gender Mainstreaming. Am Schwedenplatz gab Erich Streichsbier von der MA19 Einblicke in die Arbeit der Stadtverwaltung der Inneren Stadt und ihren Planungsagenden.
Ein weiterer Programmpunkt war die Exkursion zur alte WU und das Stadtentwicklungsgebiet Althangrund. Hier gaben AktivistInnen und PlanerInnen der “Initiative Althangrund” Einblicke in die aktuellen Entwicklungen des Gebiets. Die Bürgerinitative „Althangrund für Alle“ setzt sich für den Erhalt des Bestandes ein und verfolgt das Ziel, ein offenes, gemischt genutztes Quartier zu schaffen, das leistbaren Wohnraum, öffentliche Räume und soziale Infrastruktur miteinander verbindet.
Öffentliche Diskussion – Urbane Transformation im Wechselspiel von Leerstand, Tourismus und Kurzzeitvermietung
Am Abend fand eine öffentliche Diskussion im Festsaal der Bezirksvorstehung Neubau statt. Unter dem Titel „Urbane Transformation im Wechselspiel von Leerstand, Tourismus und Kurzzeitvermietung“ wurden zentrale Fragen gestellt:
- Wie verändern Leerstand, Tourismus und Kurzzeitvermietungen Städte?
- Welche Auswirkungen entstehen für Wohnen, Nachbarschaften und den urbanen Alltag?
- Wie greifen regulatorische Maßnahmen, wie die verschärften Regeln für Kurzzeitvermietungen in Wien seit Juli 2024?
Der 7. Bezirk diente dabei als konkretes Beispiel: Mit über 1 Million Nächtigungen im Jahr 2024 und rund 720 Airbnb-Angeboten im Jahr 2025 zeigen sich hier die herausfordernden Dynamiken besonders deutlich.
Zusammenarbeit über Disziplinen und Länder hinweg
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der Feldforschung. Die Studierenden arbeiteten in ihren Teams eigenständig im Stadtraum und vertieften ihre Analysen. Der Donnerstag wurde für die Ausarbeitung der Projekte genutzt. In internationalen Teams kombinierten die Studierenden ihre unterschiedlichen Perspektiven und entwickelten fundierte Analysen und Lösungsansätze.
Am Freitag präsentierten alle Gruppen ihre Ergebnisse. Die Beiträge zeigten eine hohe inhaltliche Tiefe und machten deutlich, wie gewinnbringend interdisziplinäre Zusammenarbeit sein kann. Viele Teilnehmende hoben hervor, dass die Woche eine wertvolle Ergänzung ihres Studiums darstellt.
„Das Programm war eine sehr intensive und bereichernde Erfahrung, bei der wir endlich alles, was wir während unseres Masterstudiums gelernt hatten, in die Praxis umsetzen konnten,“ resümiert Martin Davreux, Student an der FHWien der WKW die Woche. „Das Highlight für mich war die Zusammenarbeit mit internationalen Studierenden aus verschiedenen Fachbereichen aus ganz Europa. Dies führte zu einem regen Gedankenaustausch und zeigte, wie wichtig Zusammenarbeit ist, um durch Stadtplanung eine nachhaltigere Tourismuswirtschaft aufzubauen.
Das Programm verdeutlicht, wie internationale Kooperation, praxisnahes Lernen und interdisziplinärer Austausch dazu beitragen, aktuelle Herausforderungen der Stadtentwicklung und des Tourismus besser zu verstehen – und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
>> Mehr Informationen über den Master-Studiengang Urban Tourism & Visitor Economy Management