Wie groß ist die Verantwortung, die Technik heute trägt – besonders in Zeiten von KI und Digitalisierung? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion beim Science Talk des BMFWF am Montag, dem 23.2.2026.
Stiftungsprofessorin Anna-Vera Deinhammer, konnte hier ihre Expertise als Integralingenieurin einbringen. Gemeinsam mit zwei weiteren Fachleuten beleuchteten sie die Herausforderungen und Chancen, die sich aus der Verbindung von Technik, Ethik und gesellschaftlicher Verantwortung ergeben.
Einmal im Monat lädt das BMFWF zu seinem kostenlosen Veranstaltungsformat „Science Talk“ Forscherende ein, um über aktuelle gesellschaftsrelevante Themen zu diskutieren. Im Februar durfte Stiftungsprofessorin Anna-Vera Deinhammer gemeinsam mit Julia Neidhardt, UNESCO Co-Chair für Digitalen Humanismus von der Fakultät für Informatik an der TU Wien sowie Ben Wagner, Professor für Menschenrechte und Demokratie an der Interdisciplinary Transformation University Austria (IT:U) in Linz auf dem Podium Platz nehmen. Der Abend drehte sich um die große Frage: Technik mit Verantwortung? Möglichkeiten und Grenzen in Zeiten von KI und Digitalisierung.
Während Neidhardt aktuelle Entwicklungen rund um KI und agentische Systeme aus Sicht des Digitalen Humanismus einordnete und Wagner Regulierung, Menschenrechte und digitale Souveränität in einen europäischen Kontext stellte, brachte Deinhammer ihre praxisnahe Perspektive aus Bau- und Immobilienwirtschaft ein.
Mehr Perspektiven, bessere Entscheidungen
Deinhammer ging besonders auf die Bedeutung der Integralingenieurwissenschaft ein. Ihr Ansatz verbindet technische Machbarkeit mit ökonomischen Rahmenbedingungen, ökologischen Zielsetzungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Gerade im Bau- und Immobilienbereich entstehen Zielkonflikte schnell. Wer mehrere Perspektiven einbezieht, erkennt diese Konflikte früh und kann fundierter entscheiden.
Gemeinsam mit ihren MitdiskutantInnen war sie sich einig: Technik allein reicht nicht. Nachhaltige Lösungen entstehen dort, wo Technik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenspielen.
CO₂-Reduktion im Bestand: Ohne Daten keine Transformation
Besonders konkret wurde Deinhammer beim Thema Gebäudebestand: Wer den CO₂-Ausstoß über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes senken will, braucht belastbare Entscheidungsgrundlagen. Dazu zählen vor allem Verbrauchsdaten über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren. Sie zeigen, wie sich Gebäude entwickeln, wie sie auf klimatische Veränderungen reagieren und wo Potenziale liegen.
Dabei sprach Deinhammer auch einen sensiblen Punkt an: Daten ermöglichen Fortschritt – sie werfen aber auch Fragen auf. Sobald Daten auf Adress-Ebene verfügbar sind, entstehen neue Rückschlüsse. Deshalb braucht es eine gesellschaftliche Diskussion über Transparenz, Schutz und Zweckbindung.
Die zentrale Frage lautet: Wie viel Vertrauen ermöglichen wir – und wie viel Vertrauen braucht nachhaltige Planung?
Regulierung als Rahmen, nicht als Bremse
In der Diskussion wurde deutlich: Regulierung hemmt Innovation nicht automatisch.
Sie schafft klare Spielregeln und erhöht Rechtssicherheit – man braucht sie geradezu. Ben Wagner betonte, dass europäische Datenspeicherung zwar Kosten verursacht, langfristig aber Unabhängigkeit stärkt und Sicherheitsrisiken reduziert.
Verantwortung als Bildungsauftrag
Alle drei ExpertInnen waren sich auch einig, dass Technikfolgen, ethische Fragen und interdisziplinäres Denken früh in Ausbildung und Studium verankert sein müssen. Technik ist nie neutral. Sie wirkt in soziale, politische und wirtschaftliche Systeme hinein.
Gerade hier setzt die FHWien der WKW mit der Stiftungsprofessur von Anna-Vera Deinhammer an: Forschung und Lehre verbinden technische Expertise mit Nachhaltigkeit, Digitalisierung und gesellschaftlicher Verantwortung.