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Studieren unter Palmen an der Universität von Aruba – Mein Erfahrungsbericht

1. Juli 2020

Hallo, mein Name ist Carolin Oberleiter und ich studiere bald im fünften Semester Kommunikationswirtschaft an der FHWien der WKW. Ich hatte das Glück, das Sommersemester 2020 auf Aruba, einer kleinen Insel in der Karibik verbringen zu dürfen. Wie es dazu kam und welche Erfahrungen ich dort gemacht habe, erfahren Sie in folgendem Beitrag.

Der Mensch gewöhnt sich an Vieles, aber niemals daran, Abschied zu nehmen.

Schon während des Bewerbungsprozesses an der FHWiend der WKW war uns Vollzeitstudierenden klar, dass uns im vierten Semester ein verpflichtendes Auslandssemester erwarten würde. „Bis dahin bin ich älter.“, „Bis dahin bin ich reifer“, dachte ich mir. „Die paar Monate, das schaff ich schon. Und zu Ostern komm ich einfach heim“. Aber das vierte Semester kam schneller als gedacht, ich fühlte mich kein Stück erwachsener und was lief 2020 schon nach Plan? Ich hatte mich gerade so schön eingelebt in Wien, besuchte meine Familie gerade einmal zwei- bis dreimal im Jahr in Südtirol. An die Abschiede habe ich mich bis heute nicht gewöhnt.

Niemals hätte ich gedacht, dass ich mit 20 auf eine karibische Insel fliegen und dort ein halbes Jahr lang leben würde. Bevor ich nach Wien zog, war ein Dorf mit ungefähr 150 EinwohnerInnen meine kleine Welt. Ein Reisepass war bis 2019 gar kein Thema. Heute bin ich froh, dass das Auslandssemester für unseren Vollzeit-Studiengang verpflichtend war. Wer weiß, ob ich sonst jemals eines gemacht hätte.

Wenn Du auf Aruba studierst, wirst Du durch Erasmus+ finanziell unterstützt

Etwas, was Sie unbedingt über die karibische Insel Aruba wissen sollten, ist, dass sie geologisch zwar zu Südamerika gehört, jedoch auch Teil des Königreichs der Niederlande ist. Aus diesem Grund steht jedem Studierenden, der dort sein Auslandssemester absolviert, auch der Erasmus-Beitrag zu. Dieser hat mir den Aufenthalt dort erst ermöglicht, denn die Miet- und Reisekosten haben es in sich. Auch Lebensmittel sind auf Aruba relativ teuer, denn diese müssen größtenteils importiert werden. Besonders Obst und Gemüse sind auf der Insel ein Luxus, den man sich nicht jeden Tag gönnen kann. So kann es beispielsweise sein, dass in kleinen Supermärkten 4 Tomaten umgerechnet 4 Euro kosten. Für Betroffene ist es vielleicht auch erwähnenswert, dass eine gluten- und/ oder laktosefreie Ernährung auf der Insel nur sehr schwer möglich ist.

Das Paradies auf Erden: Aruba ist wirklich „One happy island“

Aruba ist bekannt für seine traumhaften Sandstrände und wunderbaren Sonnenuntergänge, aber die Menschen, die dort leben, machen die Insel erst so richtig besonders. Sie sind warmherzig, hilfsbereit, offen, abenteuerlustig und sprechen unglaublich viele Sprachen (Papiamento, Spanisch, Englisch, Holländisch …). Noch nie habe ich mich irgendwo vom ersten Tag an so herzlich aufgenommen und so sicher gefühlt, wie auf dieser Insel.

Die Universität erinnert noch heute an das Kloster, das sie einst war. Das Herzstück bildet eine kleine Kapelle, die heute als Aula dient. Es gibt eine kleine Cafeteria, eine Bibliothek sowie einige Hörsäle und kleinere Klassenräume. Erfahrungsgemäß ist es in den meisten Klassenräumen recht kühl. Mangobäume, Palmen und andere exotische Pflanzen schmücken sowohl den Eingangsbereich als auch die Innenhöfe und offenen Gänge. Die Notenskala geht von 1 bis 10. Außerdem müssen, zusätzlich zu den Prüfungen am Semesterende, viele Gruppen- und Hausarbeiten erledigt werden. Diese sollen dazu dienen, das Gelernte in die Praxis umzusetzen. In meinen Kursen bestanden diese Arbeiten beispielsweise aus der Konzeption einer App, einem Expansionsplan, der Verbesserung einer bestehenden Website und der Erstellung und Präsentation eines strategischen Marketingplans.

Während der Orientierungstage konnten wir nicht nur Kontakte mit Internationals knüpfen, sondern lernten auch einheimische Studierende kennen. Einheimische, die nicht nur zu unseren besten Freunden, sondern zu Familie geworden sind. Gemeinsam haben wir Nachmittage an traumhaften Stränden genossen und versteckte „natural pools“ entdeckt, sind mit Schildkröten geschwommen, waren Gokart fahren, Softball spielen und haben sogar eine Sachertorte gebacken. Diese Menschen haben uns bei sich aufgenommen als gehörten wir zur Familie, haben uns mit den Einkäufen geholfen, beim Schnorcheln auf uns aufgepasst und uns Orte gezeigt, die kein Tourist je finden würde. Auf die BewohnerInnen der Insel war wirklich immer Verlass.

Ein versteckter Kostenpunkt

Etwas, worauf man sich auf Aruba leider nicht verlassen kann, sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Insel und deren BewohnerInnen folgen ihrem ganz eigenen Rhythmus, liebevoll mit „Aruban time“ umschrieben. Dies bedeutet so viel wie: Der Bus kommt, wann er kommt; vielleicht kommt er auch gar nicht. Aus diesem Grund ist ein Auto leider auch für Studierende unverzichtbar. Besonders jene, welche im Perle D’or oder im Blue Village unterkommen und täglich zur Universität fahren müssen. Die Alternative ist eine Wohnung in der Nähe der Universität zu mieten und zu Fuß dorthin zu gehen, wofür meine Freundin und ich uns schlussendlich auch entschieden haben.

Die Auswirkungen der Pandemie

Nach zwei unbeschwerten Monaten zeigten sich auch auf Aruba die ersten Folgen der Pandemie. Erste Fälle kamen auf, alle Touristen mussten die Insel verlassen, Restaurants, Geschäfte, Hotels und auch die Universität wurden geschlossen. Bis auf wenige Ausnahmen, zu denen auch die Outgoings der FHWien der WKW zählten, waren alle Internationals plötzlich dazu gezwungen, nach Hause zu fliegen. An der FHWien der WKW wird jeder und jede Studierende als Individuum gesehen und behandelt, weshalb uns, im Gegensatz zu vielen anderen, selbst die Entscheidung überlassen wurde, ob wir heimfliegen möchten oder nicht. Da die Regierung von Aruba die Situation so gut im Griff hatte und wir von so vielen Menschen unterstützt wurden, entschieden wir uns, zu bleiben. Rückblickend war diese Entscheidung goldrichtig. Auch wenn der Abschied schwerfiel, bin ich unsagbar glücklich und stolz, diese Chance wahrgenommen zu haben, denn jeder einzelne Tag auf Aruba hat mir gutgetan und war einfach ein Geschenk.

Ich hoffe inständig, dass die Partnerschaft zwischen der FHWien der WKW und der University of Aruba noch lange bestehen bleibt, damit noch viele Studierende diese einzigartige Erfahrung machen und daran wachsen können.