Im März traf sich die deutschsprachige Kommunikationsforschung zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) an der TU Dortmund. Gisela Reiter, Marian Adolf und Andreas Hess vom Department of Communication präsentierten die Ergebnisse einer aktuellen Studie mit dem Titel „Ich recherchiere mir das selbst zusammen“. In dieser Studie wurden Differenzierungspraktiken junger NutzerInnen bei journalistischen und journalismusähnlichen Medienangeboten untersucht.
Die Forschung fördert zutage, dass klassischer Journalismus für junge NutzerInnen weiterhin eine große Rolle spielt, aber nicht die einzige Informationsquelle ist. Die meisten Befragten stoßen auf Nachrichten vor allem dort, wo sie ohnehin unterwegs sind, beispielsweise in sozialen Netzwerken wie Instagram oder TikTok. Inhalte von etablierten Medienmarken wie „Der Standard” oder dem ORF tauchen direkt in der eigenen Timeline auf. Diese kurzen, frei zugänglichen Beiträge reichen vielen schon aus, um sich einen Überblick über aktuelle Ereignisse zu verschaffen.
Geht es jedoch um persönlich wichtige Themen, wird nachgehakt. „Ich recherchiere mir das selbst zusammen“ bringt die Haltung vieler Befragter auf den Punkt. Sie vergleichen verschiedene Quellen, kombinieren journalistische Angebote mit alternativen Accounts und achten darauf, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen.
Journalismus bleibt wichtig – aber das Umfeld wird vielfältiger
Dabei geht es weniger um Misstrauen gegenüber Journalismus als vielmehr um den Wunsch nach Vielfalt. In der Wahrnehmung junger NutzerInnen stehen klassische Medien heute neben vielen anderen Informationsquellen – und nicht darüber. Von JournalistInnen wird erwartet, dass sie Informationen sorgfältig prüfen und einordnen. InfluencerInnen hingegen werden anhand anderer Kriterien bewertet: Hier zählen oft persönliche Haltung und Nahbarkeit stärker als klassische Qualitätskriterien.
Auf Basis der Analyse von 48 qualitativen Interviews konnten die ForscherInnen drei Nutzungstypen mit unterschiedlichen Strategien zur Überprüfung relevanter Inhalte ableiten.
- Traditionell-Informierte, die sich an öffentlich-rechtlichen und etablierten Medienmarken orientieren,
- Netzwerk-Informierte, die stark auf die Meinung anderer vertrauen, bei fragwürdigen Inhalten Freunde befragen und online auch stark auf Kommentare achten,
- Selbstständig-Informierte, die Inhalte in Suchmaschinen überprüfen und nach Hausverstand und Intuition entscheiden. Diese Praxis birgt jedoch Gefahren.
Abschließend macht die Studie deutlich: Junge Menschen bewegen sich heute wie selbstverständlich zwischen verschiedenen Informationsquellen. Journalismus bleibt wichtig, muss sich aber in einem deutlich vielfältigeren Umfeld behaupten als noch vor wenigen Jahren.