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Campus-Blog & News

Ausgezeichnete Forschung zu Familienunternehmen im Wandel des Zeitgeists

25. März 2026

Maija Worek aus dem Studienbereich Management & Entrepreneurship erhielt bei der 15. Konferenz der deutschsprachigen Forschungszentren und Institute für Familienunternehmen (FIFU) an der MCI Innsbruck den Best-Paper-Award der EQUA-Stiftung.

Rena Haftlmeier-Seiffert verlieh den Best-Paper-Award der EQUA-Stiftung an Birgit Felden, Michael Graffius und Maija Worek.
Rena Haftlmeier-Seiffert verlieh den Best-Paper-Award der EQUA-Stiftung an Birgit Felden, Michael Graffius und Maija Worek.

In der prämierten Arbeit geht die Forscherin gemeinsam mit Birgit Felden und Michael Graffius von der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin der Frage nach, warum klassische Forschungsmodelle und traditionelle Annahmen den heutigen Realitäten von Unternehmerfamilien nicht mehr gerecht werden. Obwohl Familienunternehmen als stabile Säulen der Wirtschaft gelten, zeigt ein genauerer Blick: Die zugrunde liegenden Familienstrukturen verändern sich zunehmend. Traditionelle Annahmen, insbesondere jene einer klar definierten Kernfamilie, greifen heute oft zu kurz und spiegeln den aktuellen Zeitgeist nicht mehr wider.

Vielfalt als neue Realität

Zeitgenössische Unternehmerfamilien sind vielfältiger geworden – in ihren Lebensformen, Beziehungen und Rollenverteilungen – wie zum Beispiel Patchwork-, Adoptiv-, Regenbogen- oder Mehr-Eltern-Familien. Diese Entwicklungen beeinflussen nicht nur die Frage, wer Eigentum hält oder Führungsaufgaben übernimmt, sondern auch die Entwicklung von Familienunternehmen über Generationen hinweg. Sowohl statische Aspekte wie die Eigentumsverteilung als auch dynamische Prozesse wie die Unternehmensnachfolge und die Lebenszyklen geraten dadurch in Bewegung.

Die bestehende Forschung zu Familienunternehmen konzentriert sich jedoch häufig weiterhin auf traditionelle Familienbilder. Um dieser Diskrepanz zu begegnen, verbindet der vorliegende Ansatz Erkenntnisse aus Familienforschung, Unternehmertum und der Forschung zu Familienunternehmen. Ziel ist es, bestehende Modelle weiterzuentwickeln und an die heutigen Realitäten anzupassen.

Neue Perspektiven auf bestehende Konzepte

Die Ergebnisse zeigen konkret, wie etablierte Modelle angepasst werden können: Das Drei-Kreise-Modell, das die Bereiche Familie, Eigentum und Unternehmen in ihrem Zusammenspiel beschreibt, sowie das Lebenszyklusmodell, das die Entwicklung von Familienunternehmen über verschiedene Phasen hinweg erklärt, werden durch zwei zusätzliche Ebenen erweitert: Eine zeitgenössische Perspektive, die aktuelle Entwicklungen abbildet, sowie ein externer Blickwinkel, der neue Formen des Zusammenlebens sichtbar macht.

Diese Erweiterungen bewahren die Stärken der klassischen Modelle und schaffen gleichzeitig eine realistischere Grundlage für Analyse und Forschung. Zugleich eröffnen sie neue Wege für zukünftige Studien, insbesondere durch mehrstufige Forschungsdesigns, die auch nichtlineare Entwicklungen von Familienunternehmen berücksichtigen. Damit wird deutlich: Wer Familienunternehmen verstehen will, muss das gängige Bild von zeitgenössischen Familien überdenken.

Neue Vorbilder und digitale Einflüsse der Nachfolgegenerationen

Ergänzend dazu zeigt eine weitere von Maija Worek in Innsbruck präsentierte Studie, die gemeinsam mit Johanna Heisgen und Michael Graffius (beide HWR Berlin) veröffentlicht wurde, dass sich die unternehmerische Vorbildrolle der Familie im Unternehmen für die nächste Generation verändert. Während bisher vor allem familiäre oder schulische Bezugspersonen im Fokus der Forschung standen, rücken zunehmend auch Social-Media-Influencer als potenzielle unternehmerische Rollenbilder in den Mittelpunkt.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Nachfolgegenerationen in Familienunternehmen Influencer als relevante unternehmerische Vorbilder wahrnehmen. Im Vergleich zu Personen ohne diesen speziellen unternehmerischen Hintergrund zeigen sich signifikante Unterschiede: Für viele dieser jungen Menschen prägen Influencer nicht nur die Einstellungen, sondern auch die unternehmerische Denkweise. Damit erweitert sich das Verständnis von Sozialisation in Familienunternehmen um eine digitale Dimension, die künftig stärker berücksichtigt werden sollte.

>> Mehr zur 15. Konferenz der deutschsprachigen Forschungszentren und Institute für Familienunternehmen (FIFU)

>> Über die EQUA-Stiftung