Im Rahmen des Formats „Meet the Expert“ begrüßte der Studienbereich Real Estate Management am Freitag, 24. April 2026, den erfahrenen Kommunikationsprofi Ernst Eichinger. Trotz sonnigem Frühlingswetter folgen über 50 Studierende und Interessierte der Einladung, um Einblicke in mehr als drei Jahrzehnte Kommunikation in der Immobilienwirtschaft zu erhalten.
Eichinger, der unter anderem für die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), SIGNA sowie aktuell als Partner der Agentur Nobucom tätig ist, brachte umfassende Praxiserfahrung mit. Besonders in herausfordernden Situationen, etwa bei Bürgerinitiativen, UVP-Verfahren oder gesellschaftspolitischen Konflikten, zeigt sich die zentrale Rolle professioneller Kommunikation.
Leben in der „Aufgeregtheitskultur“
Ein zentrales Thema seines Vortrags war der Wandel der Kommunikationslandschaft, geprägt von Geschwindigkeit, permanenter Öffentlichkeit und steigender Unberechenbarkeit. Social Media und Smartphones haben nicht nur die Aufmerksamkeitsspanne verändert, sondern auch den Medienmarkt grundlegend beeinflusst. Klassische Medien verlieren an Bedeutung, während gleichzeitig der Transparenzdruck – auch auf private Unternehmen – steigt.
Hinzu kommen zunehmend anspruchsvolle Stakeholder: AnrainerInnen, Politik, Wirtschaftstreibende und Medien erwarten aktive Einbindung und umfassende Information. Gleichzeitig sinkt das Grundvertrauen, was die Kommunikationsarbeit zusätzlich erschwert.
Kommunikation als Handwerk
Eichinger betont, dass Kommunikation ein anspruchsvolles Handwerk ist. Sie erfordert neben Fachwissen vor allem Interesse an Menschen und Themen, strategisches Denken, Flexibilität sowie die Bereitschaft, Zeit und Energie zu investieren. Vertrauen aufzubauen – etwa zu JournalistInnen, AnrainerInnen oder innerhalb von Projektteams – sei ein langfristiger Prozess, der leicht beschädigt werden kann.
Seine Erfolgsformel bringt es auf den Punkt: Vorbereitung, Vertrauen und Verantwortung bilden die Basis erfolgreicher Kommunikation – ergänzt durch einen Dialog auf Augenhöhe.
Vorbereitung als entscheidender Erfolgsfaktor
Anhand konkreter Projekte zeigte Eichinger, wie essenziell eine strukturierte Vorbereitung ist. Dazu gehört die systematische Analyse aller relevanten Stakeholder ebenso wie die Einschätzung potenzieller Konflikte. Am Beispiel des Projekts „Werft Korneuburg“ verdeutlichte er, wie bis zu 400 involvierte Personen und Gruppen berücksichtigt werden müssen.
Darauf aufbauend werden Kommunikationsstrategien entwickelt, Botschaften definiert und mögliche Szenarien durchgespielt, um im Ernstfall schnell und angemessen reagieren zu können.
Vertrauen und Verantwortung im Fokus
Ein zentrales Learning des Vortrags: Vertrauen entsteht durch konsequentes Verhalten über einen langen Zeitraum – und kann in kürzester Zeit verloren gehen. Ebenso wichtig ist Verantwortung: Entscheidungen müssen nicht nur getroffen, sondern auch transparent kommuniziert und vertreten werden.
Am Beispiel des Projekts „Kaufhaus Lamarr“ wurde deutlich, wie komplex Kommunikationsprozesse in politisch sensiblen und öffentlich stark beobachteten Projekten sind. Maßnahmen wie gezielte Zwischennutzungen oder die Einrichtung einer Ombudsstelle trugen dazu bei, Vertrauen aufzubauen und den Dialog mit der Öffentlichkeit zu stärken.
Wenn Kommunikation scheitert
Besonders interessant waren jene Praxisbeispiele, in denen Kommunikation nicht funktionierte. So führte etwa eine falsche Einschätzung der Situation beim Verkauf von Bergflächen in Tirol zu internationaler negativer Berichterstattung.
Auch andere Projekte – etwa in Korneuburg oder an der Wirtschaftsuniversität Wien – zeigten, wie schnell sich Dynamiken entwickeln können, wenn Kommunikation unzureichend geplant oder umgesetzt wird.
Eichingers Appell: Menschen wollen gehört und verstanden werden. Offene Kommunikation, Dialogbereitschaft und echtes Interesse an den Anliegen aller Beteiligten sind entscheidend für den Projekterfolg.
Kommunikation entscheidet
Ernst Eichinger erklärte in seinen Beispielen sehr anschaulich, wie komplex und gleichzeitig entscheidend Kommunikation in der Immobilienwirtschaft ist. Gerade für Studierende und angehende Fachkräfte bot die Veranstaltung wertvolle Einblicke in die Realität der Branche und zeigte, dass erfolgreiche Projekte weit mehr als technische und wirtschaftliche Planung erfordern: nämlich vor allem gelungene Kommunikation.
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