Zum Hauptinhalt springen
Campus-Blog & News

Verantwortung für Künstliche Intelligenz neu denken

13. Januar 2026

Im Wintersemester 2025/26 standen die „Responsible Management Lectures: Ideas for Better Business“ an der FHWien der WKW ganz im Zeichen eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Zeit: der Ethik Künstlicher Intelligenz (KI).

Unter dem Titel „Ethics of Artificial Intelligence“ beleuchteten zwei international renommierte ExpertInnen, wie KI unternehmerische Entscheidungen, gesellschaftliche Verantwortung und menschliches Handeln verändert und welche ethischen Fragen sich daraus ergeben.

KI und moralische Distanz: Wenn Entscheidungen ihre menschliche Nähe verlieren

Den Auftakt machte Dr. Carolina Villegas-Galaviz von der Fordham University (USA) am 12. November 2025 mit ihrem Vortrag „Artificial Intelligence and Moral Distance“. Ausgehend von wirtschaftsethischen und philosophischen Ansätzen zeigte sie auf, wie der Einsatz von KI in Organisationen zu einer wachsenden moralischen Distanz zwischen EntscheidungsträgerInnen und den von Entscheidungen betroffenen Menschen führen kann.

Moralische Distanz entsteht dort, wenn Entscheidungen räumlich, zeitlich, kulturell oder organisatorisch von ihren Konsequenzen entkoppelt werden. KI-Systeme können diesen Effekt verstärken, beispielsweise wenn algorithmische Bewertungen oder automatisierte Entscheidungen persönliche Begegnungen ersetzen und Verantwortung auf technische Systeme ausgelagert wird. Anhand praxisnaher Beispiele wie algorithmischem Personalmanagement oder Leistungsbewertung wurde deutlich, wie leicht Kontext und individuelle Lebensumstände aus dem Blick geraten.

Dr. Villegas-Galaviz plädierte daher für eine Ethik der Fürsorge („Ethics of Care“): Anstatt moralische Fragen ausschließlich über Regeln, Prinzipien oder Effizienz zu beantworten, sei ein relationaler Blick auf Abhängigkeiten und die Stimmen jener, die von KI-Systemen betroffen sind, notwendig. Gerade im unternehmerischen Kontext sei dies entscheidend, um verantwortungsvolle Entscheidungen zu ermöglichen.

KI für menschliches Gedeihen: Eine Ökosystem-Perspektive auf Verantwortung

Den zweiten Vortrag in diesem Semester hielt Prof. Bernd Stahl von der University of Nottingham (UK) am 19. November 2025. In seinem Vortrag mit dem Titel „Artificial Intelligence for a Better Future: An Ecosystem Perspective on the Ethics of AI and Emerging Digital Technologies“ rückte er KI als sozio-technisches Ökosystem in den Mittelpunkt.

Anstatt KI isoliert als Technologie zu betrachten, beschrieb Prof. Stahl sie als Ergebnis komplexer Wechselwirkungen zwischen EntwicklerInnen, Organisationen, NutzerInnen, Politik, Regulierung und Zivilgesellschaft. Verantwortung sei demnach nicht zentral, sondern verteilt und müsse/könne aktiv gestaltet werden. Ein „gutes“ KI-Ökosystem sollte demnach das menschliche Gedeihen („Human Flourishing“) fördern, also Bedingungen schaffen, unter denen Menschen ihre Fähigkeiten individuell und gesellschaftlich entfalten können.

Um dieses Ziel zu erreichen, sei ein Mix aus technischen, organisatorischen, rechtlichen und bildungspolitischen Maßnahmen notwendig: von „Ethics by Design“ über klare Verantwortlichkeiten und KI-Folgenabschätzungen bis hin zu Regulierung, Standards und Aus- und Weiterbildung. Prof. Stahl machte deutlich, dass viele ethische Herausforderungen an und für sich nicht neu sind, durch KI jedoch an Dynamik und Reichweite zunehmen.

„Responsible Management Lectures: Ideas for Better Business“

Die seit 2012 stattfindenden Responsible Management Lectures (vormals „CGBE-Lectures“) haben sich zu einem wichtigen Bestandteil der Lehre in den Bereichen Wirtschaftsethik, Nachhaltigkeit und Unternehmensführung entwickelt. Jedes Semester präsentieren international führende ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis ihre Perspektiven zu Themen aus diesen Bereichen und diskutieren diese mit dem Publikum.

>> Mehr über Responsible Management Education an der FHWien der WKW erfahren