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Campus-Blog & News

Bessere Kreditkonditionen durch die richtige Projektbündelung

26. März 2026

Eine aktuelle Studie von Clemens Löffler, Thomas Kaufmann-Lerchl und Christopher Liska aus dem Competence Center for Business Controlling & Accounting der FHWien der WKW zeigt: Für Unternehmen ist es einerseits wichtig, die richtigen Projekte umzusetzen, als auch die richtige Form der Kreditfinanzierung zu bedenken. Genau das kann darüber entscheiden, wie günstig Kapital aufgenommen werden kann.

Köchin und Kellnerin besprechen Rechnungen
© Adobe Stock

Unternehmen stehen oft vor der Aufgabe, mehrere Vorhaben gleichzeitig zu finanzieren. Naheliegend wäre es, einfach die besten Projekte auszuwählen und jedes davon einzeln über Kredite zu finanzieren. Die Studie zeigt jedoch, dass diese Lösung nicht immer die vorteilhafteste ist.

Finanzieller Spielraum durch Bündelung stärkerer und schwächerer Projekte

Die zentrale Frage ist, ob Projekte einzeln kreditfinanziert werden sollten oder ob es sinnvoller ist, mehrere Vorhaben für die Kreditaufnahme zu bündeln. Das Ergebnis: Wenn Banken in einem Markt nur begrenzt miteinander konkurrieren, kann eine gemeinsame Kreditfinanzierung mehrerer Projekte von Vorteil sein. Denn dadurch lassen sich unter bestimmten Bedingungen günstigere Kreditkonditionen erreichen.

Besonders spannend ist ein auf den ersten Blick überraschender Befund: Es kann sinnvoll sein, ein sehr starkes Projekt zusammen mit einem schwächeren Projekt über einen gemeinsamen Kredit zu finanzieren. Das klingt zunächst widersprüchlich. Die Studie zeigt jedoch, dass genau diese Bündelung die Konditionen für die Finanzierung verbessern kann. So gewinnt das Unternehmen zusätzlichen Spielraum, um seine besonders aussichtsreichen Vorhaben voranzubringen.

Überraschende Studienergebnisse am Beispiel einer fiktiven Bäckereikette

Eine Bäckereikette möchte wachsen und plant zwei kreditfinanzierte Investitionen. Das Unternehmen hat dafür drei mögliche Vorhaben:

  • Projekt A: eine neue Filiale in sehr guter Lage
  • Projekt B: die Modernisierung einer bestehenden Filiale
  • Projekt C: ein kleiner Abholstandort in einem Randbezirk

Intuitiv würde man sagen: Die Firma sollte natürlich die Projekte A und B finanzieren, also die zwei stärksten Vorhaben. Die Studienergebnisse zeigen jedoch, dass dies nicht immer die beste Lösung ist. Wenn Banken bei der Kreditvergabe nicht stark genug miteinander konkurrieren, kann es für das Unternehmen sinnvoll sein, A und C gemeinsam in einem Kreditpaket zu bündeln statt A und B getrennt oder gemeinsam zu finanzieren.

Der Grund ist, dass sich bei einer gebündelten Kreditaufnahme die Konditionen auf das Gesamtpaket beziehen. Dadurch kann das starke Projekt A von günstigeren Kreditkonditionen profitieren. Genau das ist der kontraintuitive Kern des publizierten Artikels: Ein schwächeres Projekt kann dazu beitragen, die Finanzierung für das starke Projekt attraktiver zu machen.

Bankenwettbewerb und Eigenkapital beeinflussen Bündelungsstrategie

Die Arbeit macht deutlich, dass Unternehmen Investitionsentscheidungen und Kreditaufnahme nicht getrennt voneinander betrachten sollten. Es geht also nicht nur darum, die vielversprechendsten Projekte auszuwählen, sondern auch darum, die passende Form der Kreditfinanzierung zu wählen.

Dabei sind zwei Faktoren besonders wichtig: das vorhandene Eigenkapital des Unternehmens und die Wettbewerbsintensität unter Banken. Bei starkem Wettbewerb verlieren Bündelungsstrategien an Bedeutung. Ist der Bankenmarkt dagegen weniger wettbewerbsintensiv, kann die gezielte Bündelung von Projekten ein sinnvoller Weg sein, um die Kreditaufnahme für Unternehmen attraktiver zu gestalten.

Die Studie liefert somit eine neue Perspektive auf die Unternehmensfinanzierung: Manchmal ist nicht die naheliegendste Lösung die beste, sondern jene, bei der die Projektwahl und die Kreditstrategie gemeinsam betrachtet werden.