Seit Herbst 2021 arbeiten das Forschungsinstitut IDS der FHWien der WKW und das Start-up BOOXit gemeinsam an Lösungen für eine nachhaltigere, digitalisierte und menschengerechte Logistik.
Von einer prototypischen Mehrwegbox bis zu digital vernetzten Logistiksystemen: Seit fünf Jahren arbeitet das Institute for Digital Transformation and Strategy (IDS) der FHWien der WKW mit dem oberösterreichischen Start-up BOOXit zusammen. In vier gemeinsamen Forschungsprojekten, von denen drei bereits abgeschlossen sind, wurden die Einsatzmöglichkeiten smarter Mehrwegbehälter in der Pharma-, Paket- und Militärlogistik untersucht. Mit dem noch bis 2027 laufenden Projekt SIBORC und dem 2026 gestarteten Kompetenzteam HumAInLog wird diese Forschungsarbeit fortgeführt.
„Seit der Gründung des IDS hatten wir durchgehend mindestens ein gemeinsames Projekt mit BOOXit“, erklärt Walter Mayrhofer, der Leiter des IDS.
Anlässlich der Produktpräsentation intelligenter Mehrweg-Logistikboxen am 8. September 2026 im oberösterreichischen Ebensee zog er in seiner Keynote eine Bilanz.
„Die Projekte zeigen, wie Mehrwegsysteme Verpackungsabfälle reduzieren und gleichzeitig Digitalisierung, Automatisierung und bessere Arbeitsbedingungen ermöglichen können.“
In den Werkshallen der POLYTEC GROUP wurden die neue Generation der BOOXit-Mehrwegbehälter, das entsprechende digitale Logistiksystem und die erste Vorserien-Produktionslinie präsentiert.
Von der Pharmalogistik zum intelligenten Mehrwegsystem
Die Zusammenarbeit startete im Jahr 2021 mit dem von der FHWien der WKW koordinierten Projekt DigiPharmaLogNet. Damals existierte neben zahlreichen Animationen zur Veranschaulichung des BOOXit-Konzepts nur ein einziger 3D-gedruckter Prototyp der BOOXit-Box. In dem von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) geförderten Projekt wurde untersucht, wie sich selbstorganisierende Mehrwegboxen und entsprechende Regalsysteme in der Pharmalogistik einsetzen lassen. Mithilfe von Sensoren sollten unter anderem Standort, Temperatur und weitere Transportbedingungen erfasst werden. Das IDS analysierte die Prozesse sowie deren ökonomische, ökologische und soziale Auswirkungen und entwickelte Ansätze für tragfähige Geschäftsmodelle.
Zeit und Kosten sparen
Die Berechnungen für den untersuchten Lieferprozess zwischen Pharmagroßhandel und Apotheken ergaben ein beträchtliches Optimierungspotenzial: Bei über 20.000 Fahrten pro Jahr könnten jährlich etwa 1,37 Millionen Euro eingespart werden. Die Umstellung auf ein geschlossenes Mehrwegboxensystem würde die Fahrten, die aktuell zwischen drei und acht Stunden dauern, im Durchschnitt um rund 1,25 Stunden verkürzen. In den betrachteten Szenarien von konkreten Anwendungsfällen aus der täglichen Transportpraxis von Pharmaunternehmen würde der Break-even nach ungefähr einem Jahr erreicht werden. Außerdem haben die Ergebnisse gezeigt, wie wichtig geschlossene Kreisläufe und eine gesicherte Rückführung der Behälter sind.
Das Folgeprojekt ReKEP (Konsortialführung: AIT Austrian Institute of Technology GmbH) übertrug diesen Ansatz ab 2022 auf die Kurier-, Express- und Paketbranche. Im Mittelpunkt standen die wirtschaftliche, ökologische und soziale Nachhaltigkeit sowie die Frage, wie Rückführungsprozesse für Mehrwegbehälter gestaltet werden müssen. Dabei zeigte sich: Mehrwegsysteme funktionieren besonders gut in einfachen, geschlossenen Kreisläufen. Auch hier zeigte sich, dass für einen Systemeinsatz im größeren Maßstab ein verlässlicher Rücklauf der Mehrwegbehälter und geringe Schwundraten notwendig sind. Dies würde vor allem durch elektronische Tracking-Möglichkeiten zur Kontrolle des Rücklaufs der Boxen sowie eine Förderung der Akzeptanz der Behälter bei Kundinnen und Kunden sichergestellt.
Neue Anwendungen und bessere Arbeitsbedingungen
Im Projekt RESISTANT (Konsortialführung: Johannes Kepler Universität Linz) wurde das Konzept auf die Militärlogistik übertragen. Mithilfe digital vernetzter, dezentraler und mobiler Lagereinheiten sollte die Versorgung auch unter schwierigen Bedingungen resilienter und transparenter werden.
Seit November 2024 untersucht das Projekt SIBORC (Konsortialführung: Fraunhofer Austria, KI4LIFE), wie sich komplexe Mehrwegkreisläufe mithilfe digitaler Zwillinge und künstlicher Intelligenz simulieren und optimieren lassen. Das IDS bewertet dabei die Folgen der entwickelten Lösungen für Menschen, Organisationen, Umwelt und Wirtschaft. So zeigte beispielsweise eine Simulation von Lagerprozessen, die bereits im Rahmen von ReKEP durchgeführt wurde: Ein auf BOOXit-Regalen basierendes System könnte die Laufwege von 3.845 auf 335 Meter reduzieren und die ergonomische Belastung der Beschäftigten deutlich senken.
Angewandte Wissenschaft für die Überführung in die Praxis
„Es ist spannend, die Entwicklung der Mehrwegbox zu beobachten und den stetigen Ausbau des BOOXit-Systems wissenschaftlich zu begleiten“, sagt Gerald Schneikart, Projektleiter und Senior Researcher am IDS. „Der nächste wichtige Schritt ist die Erprobung unter realen Bedingungen. Wir freuen uns, in Zukunft auch diese Pilotierungsphase mit unserer Forschung unterstützen zu können.“
Für BOOXit-CEO Peter Entenfellner ist „die Zusammenarbeit mit der FHWien der WKW über mehrere Forschungsprojekte hinweg von einem tiefen Verständnis für diese disruptive Logistiktechnologie geprägt. Das Forschungsteam um Walter Mayrhofer und Gerald Schneikart hat die Möglichkeiten unseres Systems und die praktischen Problemstellungen von Logistikprozessen unter herausfordernden externen Rahmenbedingungen sehr pragmatisch und lösungsorientiert zu in der Praxis verwertbaren Forschungsergebnissen geführt.“
„Fokus Mensch“ in der Weiterentwicklung digitaler Logistik-Technologien
Vor allem von den Erkenntnissen der letzten fünf Jahre, die im Bereich ergonomischer Arbeitsbelastung gewonnen wurden, profitiert auch das im Juni 2026 gestartete Kompetenzteam HumAInLog. Das von der Stadt Wien geförderte IDS-Projekt erforscht menschzentrierte Technologien und KI-Assistenzsysteme für die Zustell- und Transportlogistik. Hier findet die Kooperation des IDS mit BOOXit eine unmittelbare Fortsetzung in Form einer Praxispartnerschaft. Insgesamt war die bisherige Zusammenarbeit, an der auch zahlreiche andere wissenschaftliche und wirtschaftliche Projektpartner beteiligt waren, ein wichtiger Baustein der Forschungsarbeit zum Einsatz digitaler Technologien im Kontext der Logistik an der FHWien der WKW.