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Campus-Blog & News

Emissionsfreie Energieversorgung: Zukunftssichere Wärme und Kälte für Immobilien

28. November 2025

Wie kommen wir aus der fossilen Energieversorgung von Immobilien? Dieser aktuellen Frage widmete sich ein Gastvortrag des Studienbereichs Real Estate Management Anfang November 2025. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie gelingt eine klimafreundliche Energieinfrastruktur im Neubau und Bestand – und wie reagiert der Immobilienwert?

Herbert Hetzel, Gründer und Managing Partner von BCE beyond carbon energy, präsentierte vor rund 40 Interessierten die bereits erfolgreich umgesetzte Veränderung eines Immobiliensektors, der sich konsequent von fossilen Energieträgern löst und somit weitestgehend emissionsfrei wird.

Technik und Wirtschaftlichkeit als Erfolgsfaktoren

Sein Vortrag drehte sich vor allem um folgende Fragen:

  • Wie funktioniert eine emissionsfreie Energieversorgung technisch?
  • Lassen sich dadurch marktgerechte Energiepreise erzielen?
  • Steigert eine nachhaltige Versorgung tatsächlich den Immobilienwert?

Beyond carbon energy übernimmt dabei als Energieversorger das Engineering, die Konzeption, den Bau und den Betrieb von regenerativen Anlagen und bietet dadurch für Eigentümer und Developer eine ganzheitliche Lösung an. Ein zentraler Aspekt: Die Investitionskosten sollen vergleichbar bleiben, während Mieter sowie Eigentümer zugleich von Unabhängigkeit und konstanter Versorgungssicherheit profitieren. „Für den erfolgreichen Abschluss von diesen umfassenden Projekten ist eine enge Verzahnung von Technik und Finanzierung ausschlaggebend,“ fasst Hetzel die wichtigsten Faktoren zusammen.

Innovative Ansätze für emissionsfreie Gebäude

Unterstützt wurde Herbert Hetzel von Senior Design Engineer Andreas Rippl, der technische Details unter anderem aus dem Leuchtturmprojekt „Viertel Zwei“ einbrachte. In diesem Wiener Stadtquartier werden ca. 85% des Wärme- und Kältebedarfs bereits heute weitestgehend emissionfrei von Standortressourcen gedeckt, indem lokale Ressourcen wie Geothermie, Grundwasser und Abwärme intelligent miteinander kombiniert werden. Außerdem werden die mehr als 100-jährigen denkmalgeschützten Bürogebäude Tribüne 2 & 3 auf Niedertemperaturbasis geheizt und gekühlt. Trotz fehlender Dämmung können zeitgemäße Komfortwerte erzielt werden.

Mehrwert durch Dekarbonisierung

Die Art der Wärme- und Kälteversorgung wird ein zentraler Wertfaktor für Immobilien: Neben der Senkung von Betriebskosten können Immobilienbesitzer so ihre Objekte auf zukünftige rechtliche Anforderungen vorbereiten und den Marktwert nachhaltig steigern. Ein weiteres Ziel: Die Entkopplung der Energiekosten von volatilen Entwicklungen am Energiemarkt und eine erhöhte Versorgungssicherheit durch lokale Ressourcennutzung.

Österreich als Land der Bestandsimmobilien

Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass Österreich über rund 2,5 Millionen Immobilien verfügt, die in den nächsten Jahren saniert werden müssen. Bei einer derzeitigen Sanierungsquote von 0,8-1,5 %, wird sich die Branche in den nächsten Jahrzehnten intensiv mit der energetischen Modernisierung beschäftigen müssen. Ebenso fordert die EU-Gebäuderichtlinie ab 2040 emissionsfreie Heizungsanlagen und ab 2050 emissionsfreie Gebäude insgesamt.

Im urbanen Raum geht etwa die Hälfte der Emissionen auf die Wärme- und Kältebereitstellung in Gebäuden zurück, mehrmals auf den Verkehrssektor: Rund 35 bis 40 Prozent der städtischen Treibhausgasemissionen entstehen durch die Versorgung mit Heiz- und Kühlenergie – ein zentraler Hebel für nachhaltige Stadtentwicklung.

Chance & Verpflichtung der Zukunft

Im Rahmen der abschließenden Diskussionsrunde wurden Potenziale und Herausforderungen praxisnah beleuchtet. Die regen Wortmeldungen der Teilnehmenden zeigten: Die nachhaltige Transformation der Wärme- und Kälteversorgung ist sowohl aus technischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht Chance und Verpflichtung zugleich.

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