Zum Hauptinhalt springen
Campus-Blog & News

Tourismus gestalten – ohne dass der Wohnort zur Kulisse verkommt

7. Oktober 2026

Wie können stark besuchte Orte vom Tourismus profitieren, wenn die Lebensqualität der Bevölkerung unter den Besucherströmen leidet? Cornelia Dlabaja, Stiftungsprofessorin für nachhaltige Stadt- und Tourismusentwicklung an der FHWien der WKW, brachte bei einer ORF-Diskussion in Dürnstein Forschungserfahrungen aus Hallstatt und Venedig ein.

Ein Screenshot aus einer TV-Serie
© Screenshot ORF ON

Dürnstein gehört zu den meistbesuchten Ausflugszielen der Wachau. Vor allem an Spitzentagen treffen Gäste von Kreuzfahrtschiffen und Reisebussen sowie Radfahrende und Individualreisende gleichzeitig in den engen Gassen des Ortes aufeinander. Wie sich die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus und die Lebensqualität der Bevölkerung miteinander vereinbaren lassen, darüber diskutierten Fachleute, Tourismusbetriebe und Einheimische Ende September 2026 in der ORF-Niederösterreich-Sendung „Ein Ort am Wort“.

Lokale Wertschöpfung für die Kommunen etablieren – statt Eintrittsgelder

Cornelia Dlabaja brachte dabei die Perspektive ihrer Forschung zu stark besuchten Tourismusorten ein. Die Stiftungsprofessorin sieht die Vorstellung, mit Eintrittsgeldern ließe sich das Problem einfach lösen, besonders kritisch. Erfahrungen aus Hallstatt und Venedig zeigen, dass solche Maßnahmen von der Wohnbevölkerung keineswegs nur positiv wahrgenommen werden. Die BewohnerInnen könnten dadurch noch stärker das Gefühl bekommen, ihr eigener Lebensraum werde zu einer touristischen Attraktion.

Mit seinem digitalen Bussystem und der Miteigentümerschaft des „Heritage Hotels“ zeigt Hallstatt wie Wertschöpfung für die Kommune generiert werden kann. Diese Einnahmen ermöglichen neue leistbare Wohnungen und finanzieren Nahversorgung für die lokale Bevölkerung.

Cooperative Governance und Besucherströme lenken

Die Diskussion zeigte zugleich, dass es bei starkem Tourismus nicht allein um die Zahl der Gäste geht. Entscheidend ist auch, wann und wo sie im Ort aufeinandertreffen. Deshalb hat Dürnstein bereits vor einigen Jahren in ein Besucherlenkungssystem investiert. Ein geplantes Zählsystem soll künftig anzeigen, wo sich zu bestimmten Zeiten besonders viele Menschen bewegen. Damit könnten Gruppen auf andere Wege oder Zeitfenster verteilt werden.

Dlabajas Beitrag rückte einen zentralen Aspekt nachhaltiger Tourismusentwicklung in den Mittelpunkt: Es bedarf der kooperativen Governance zwischen kleinen Gemeinden wie Dürnstein oder Hallstatt und der Landes- und Bundesebene. Darüber hinaus sind EU-Regulative ein Instrument, um klare Regeln zu schaffen. Es braucht ein Bündel an Maßnahmen wie eine diversifizierte Standortentwicklung, klare Regeln für die Organisation des Tagestourismus. In die Entwicklung der Orte sollen auch die Perspektive der Menschen berücksichtigt werden, für die der Tourismusort vor allem eines ist – ihr Zuhause.

Ein kurzer Beitrag über die Diskussion in „Niederösterreich heute“ (bis 25.10.2026) und die vollständige einstündige Sendung „Ein Ort am Wort“ (bis 23.3.2027) sind auf ORF ON abrufbar.