Wie berichten Medien über Krieg, und was macht solche Berichte glaubwürdig? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Gisela Reiter und Marian Adolf vom Department of Communication. Sie präsentierten ihre Ergebnisse auf der 76. Jahrestagung der International Communication Association (ICA) in Kapstadt, Südafrika.
Kriegsberichterstattung entsteht unter außergewöhnlichen Bedingungen. Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form der Berichterstattung prägt, wie glaubwürdig Informationen wahrgenommen werden. Welche Bilder werden gezeigt? Welche Quellen werden offengelegt? Wie lassen sich Informationen vermitteln, ohne die Würde und Privatsphäre Betroffener zu verletzen? Und wie erleben NutzerInnen die mediale Darstellung von Krieg?
Mit diesen Fragen setzten sich Gisela Reiter und Marian Adolf in ihrem Vortrag „Rethinking War Reporting: Credibility, Trust, and Audience Perception among Young Austrians“ auseinander. Die Forschenden präsentierten ihre Ergebnisse auf der größten internationalen kommunikationswissenschaftlichen Konferenz, der 76. Jahrestagung der International Communication Association (ICA), die vom 4. bis zum 8. Juni 2026 unter dem Motto „Communication and Inequalities in Context“ in Kapstadt, Südafrika, stattfand.
Forschung zur Glaubwürdigkeit von Kriegsberichterstattung
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine, die ein Beispiel für journalistische Arbeit unter besonders schwierigen Bedingungen darstellt. Propaganda, unsichere Opferzahlen und ein eingeschränkter Zugang zu den Schauplätzen erschweren die Überprüfung von Informationen. Gleichzeitig macht die Fülle an Bildern und Videos auf Social-Media-Plattformen es dem Publikum zunehmend schwer, Ereignisse einzuordnen.
Die Studie zeigt, dass Vertrauen in Kriegsberichterstattung vor allem dort entsteht, wo Informationen als ausgewogen, transparent und nachvollziehbar wahrgenommen werden. Auch etablierte Medienmarken spielen eine wichtige Rolle bei der Bewertung der Glaubwürdigkeit. Besonders junge Menschen empfinden die ständige Konfrontation mit negativen Nachrichten jedoch oft als belastend und überfordernd.
Transparenz und Einordnung als Grundlage für Glaubwürdigkeit
Ein weiteres Ergebnis betrifft das Spannungsfeld zwischen professionellem Journalismus und privaten Social-Media-Accounts. JournalistInnen werden häufig als verlässlicher eingeschätzt, da sie professionellen Standards folgen. Allerdings sind den Befragten diese Anforderungen an JournalistInnen und deren Arbeitsweise meist unklar. Zudem vermitteln private Aufnahmen aus Kriegsgebieten oftmals eine besondere Nähe und Unmittelbarkeit.
Damit macht die Studie deutlich: Gute Kriegsberichterstattung ist weit mehr als die schnelle Vermittlung von Informationen. Sie erfordert einen sensiblen Balanceakt zwischen Nähe und Distanz, Emotionalität und Einordnung sowie Aufklärung und Schutz der Betroffenen.