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Campus-Blog & News

Der Schanigarten als urbanes Wohnzimmer

26. August 2026

Schanigärten gehören zum Wiener Stadtbild. Doch ihre Bedeutung reicht weit über das gastronomische Angebot hinaus. Sie sind Treffpunkte im Grätzel, prägen den öffentlichen Raum und vermitteln internationalen Gästen ein Stück Wiener Alltagskultur.

Cornelia Dlabaja beim Wiener Wirtschaftstalk im Schanigarten
© leadersnet.at / C. Mikes
Schanigarten in Wien
© leadersnet.at / C. Mikes
Cornelia Dlabaja beim Wiener Wirtschaftstalk im Schanigarten
© leadersnet.at / C. Mikes

Beim Wirtschaftstalk der Wirtschaftskammer Wien (WKW) diskutierten VertreterInnen aus Gastronomie, Tourismus und Wissenschaft über die Rolle dieser besonderen Orte. Mit dabei war Cornelia Dlabaja, Stiftungsprofessorin für nachhaltige Stadt- und Tourismusentwicklung an der FHWien der WKW. Sie rückte insbesondere die gesellschaftliche und stadtsoziologische Bedeutung der Schanigärten in den Mittelpunkt.

Unter dem Motto „Der Schanigarten – Die Sommeroase der Wiener“ diskutierten neben Cornelia Dlabaja auch Dominic Schmid, Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKW, Christina Hummel, Inhaberin des Café Hummel, und Thomas Peschta, Fachgruppenobmann Gastronomie der WKW. Im Zentrum stand die Frage, welche wirtschaftliche und gesellschaftliche Funktion die rund 3.500 Schanigärten in Wien erfüllen.

Das Grätzel als „sozialer Nukleus“ der Stadt

Aus Sicht von Cornelia Dlabaja sind gastronomische Orte eng mit der Struktur und dem sozialen Leben Wiens verbunden. Beim Wirtschaftstalk bezeichnete sie das Grätzel als den „sozialen Nukleus der Stadt“. Kaffeehäuser, Restaurants und Schanigärten schaffen Räume, in denen Menschen einander begegnen und Beziehungen pflegen können.

Gerade dieses Miteinander trägt aus ihrer Perspektive zum Wohlbefinden der Menschen bei. Der Unterschied zwischen einem gastronomischen Angebot und einem Lieferservice liegt damit nicht allein darin, wo gegessen wird. „Ich kann mir zwar die Pizza liefern lassen, aber eigentlich suche ich die soziale Interaktion“, erklärte Dlabaja beim Talk. Besonders sichtbar werde diese Funktion bei Stammgästen, die regelmäßig dieselben Lokale besuchen und dadurch Teil eines sozialen Gefüges werden.

„Schani, trag den Garten raus“

Für den Tourismus spielt der Schanigarten nach Einschätzung von Dlabaja ebenfalls eine große Rolle – nicht zuletzt aufgrund seiner historischen Verankerung. Seine Geschichte reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück: Der erste Schanigarten entstand 1754 am Graben und wir auf den Namen des Kellners „Giovanni“, auf Deutsch Johann, zurückgeführt.

Kulturgeschichtlich ist der Schanigarten Teil der städtischen DNA und gehört zur Stadtgeschichte und zur Alltagspraxis“, erklärt Dlabaja. Aus Perspektive der Stadtforschung lässt er sich zudem als sogenannter „dritter Ort“ verstehen: ein Raum neben dem eigenen Zuhause und dem Arbeitsplatz, an dem Menschen zusammenkommen und Zeit verbringen.

Der Schanigarten wird so zum urbanen Wohnzimmer und gewissermaßen zum Mobiliar des Stadtraums. Diese Perspektive zeigt, dass seine Bedeutung nicht an der Grenze eines Gastronomiebetriebs endet. Schanigärten gestalten den öffentlichen Raum mit und beeinflussen, wie Menschen ihre Stadt erleben und nutzen.

Ein Stück Wiener Alltag für internationale Gäste

Gerade diese alltägliche Funktion macht Schanigärten auch für den Tourismus interessant. Für BesucherInnen können sie ein Entree in die Wiener Kaffeehaus- und Gastronomiekultur sein. Gleichzeitig bleiben sie Orte, die stark von der lokalen Bevölkerung genutzt werden.

Darin liegt für Dlabaja eine besondere Qualität: WienerInnen fühlen sich hier zu Hause. Für Gäste aus anderen Ländern entsteht dadurch die Möglichkeit, nicht nur eine touristische Attraktion zu besuchen, sondern ein Stück gelebten Wiener Alltag wahrzunehmen. Der Schanigarten verbindet damit touristisches Erlebnis und lokale Lebenswelt.

>> Zum Video über den Wirtschaftstalk der Wiener Wirtschaftskammer

>> Mehr Informationen über die Stiftungsprofessur zur nachhaltigen Stadt- & Tourismusentwicklung