Ein Artikel des Competence Center for Business Controlling & Accounting der Zeitschrift „PiR – Internationale Rechnungslegung“, basierend auf einer Studie von FHWien-Absolventin Katharina Reiner, untersucht die Erfahrungen von Unternehmen bei der erstmaligen Umsetzung der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD und ESRS. Die Studie zeigt, welche organisatorischen, technischen und personellen Herausforderungen dabei besonders relevant sind.
Nachhaltigkeitsberichterstattung: Erfahrungen aus der ersten ESRS-Berichtssaison
Die Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) bringt tiefgreifende Veränderungen für Unternehmen mit sich. Eine aktuelle Publikation von Thomas Kaufmann-Lerchl, Christopher Liska, Clemens Löffler (Competence Center for Business Controlling & Accounting), Josef Baumüller (TU Wien) und der FHWien-Absolventin Katharina Reiner der Zeitschrift „PiR – Internationale Rechnungslegung“ analysiert diese Erfahrungen. Grundlage der Untersuchung waren qualitative Interviews mit ExpertInnen aus zehn österreichischen Großunternehmen verschiedener Branchen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung weit über zusätzliche Berichtspflichten hinausgeht. Unternehmen müssen neue Organisationsstrukturen schaffen, Verantwortlichkeiten klar definieren und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachbereichen stärken. Besonders wichtig sind funktionierende Governance-Strukturen sowie die Unterstützung durch das Top-Management.
Datenerhebung und Ressourcenbedarf als zentrale Herausforderungen
Bislang verfügen viele Unternehmen nicht über Systeme, die alle für die ESRS-Berichterstattung erforderlichen Nachhaltigkeitsdaten erfassen. Um die Qualität und Nachvollziehbarkeit der Daten sicherzustellen, empfiehlt die Studie frühzeitige GAP-Analysen, um die Diskrepanz zwischen dem aktuellen Ist-Zustand und dem angestrebten Soll-Zustand zu ermitteln sowie klare Zuständigkeiten und mehrstufige Kontrollmechanismen. Zudem gewinnen spezialisierte Softwarelösungen für die Erfassung und Verarbeitung von Nachhaltigkeitsdaten zunehmend an Bedeutung.
Auch der Ressourcenbedarf ist erheblich. Investitionen in IT-Systeme, Schulungen und externe Beratung sind vielfach notwendig. Gleichzeitig müssen Unternehmen abwägen, welche Kompetenzen sie intern aufbauen und welche Leistungen sie extern beziehen wollen. Die Forschenden weisen darauf hin, dass nachhaltigkeitsbezogene Funktionen häufig mit anderen Unternehmensbereichen um personelle und finanzielle Ressourcen konkurrieren.
Nachhaltigkeitsberichte als umfassender Transformationsprozess
Ein weiterer Aspekt betrifft die künftig verpflichtende externe Prüfung von Nachhaltigkeitsinformationen. Viele Unternehmen sehen darin zwar zusätzlichen Aufwand, zugleich aber auch eine Chance, ihre Prozesse weiterzuentwickeln und die Qualität ihrer Berichterstattung zu verbessern. Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung als umfassender Transformationsprozess verstanden werden sollte. Unternehmen, die frühzeitig geeignete Strukturen, Systeme und Kompetenzen aufbauen, können nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllen, sondern auch langfristige strategische Vorteile erzielen.
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