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Campus-Blog & News

KI, Drohnen und Daten: So digital ist die Immobilienwirtschaft

17. September 2026

KI-Agenten, Drohnen, digitale Zwillinge und automatisierte Immobilienbewertungen: Neue Technologien verändern die Immobilienwirtschaft gerade rasant. Wie sie schon heute in der Praxis eingesetzt werden, zeigte der 4. Digital Real Estate Day am 14. September 2026 an der FHWien der WKW.

Digitalisierung spielt deshalb auch im Studienbereich Real Estate Management eine wichtige Rolle. Beim Digital Real Estate Day, in Kooperation mit ivalu zeigte sich die Verbindung von Studium und Praxis besonders deutlich: Mehrere der präsentierten Anwendungen kommen bereits in Lehrveranstaltungen zum Einsatz oder wurden von Lehrenden bzw. Absolventen des Studienbereichs gegründet.

Neun PropTechs, neun unterschiedliche Ansätze

Von Immobilienvermarktung und Projektentwicklung über Asset Management und Verwaltung bis hin zur technischen Bestandsaufnahme präsentierten neun Unternehmen ihre digitalen Lösungen entlang des Immobilienlebenszyklus.

REALITIQ: Mit digitalen Zwillingen, KI-gestützten Visualisierungen und virtuellen Rundgängen können Neubauprojekte und Bestandsimmobilien digital erkundet und individuell dargestellt werden.

ImmoScout24 zeigte, dass hinter der bekannten Immobilienplattform längst auch umfangreiche Datenlösungen, wie eine österreichweite Kaufpreiskarte auf Basis von Grundbuchtransaktionen sowie Tools zur Analyse von Preisen, MitbewerberInnen und Vermarktungsstrategien stehen.

PROPCORN AI verbindet Immobilien-, Widmungs- und Baurechtsdaten mit künstlicher Intelligenz. Die Plattform identifiziert unter anderem ungenutzte Grundstücke und Nachverdichtungspotenziale und unterstützt damit ProjektentwicklerInnen bei der Suche möglicher Standorte.

IMMOunited demonstrierte, wie Daten und KI bei der Immobilienbewertung unterstützen können. Der KI-gestützte Preis-Check nutzt tatsächlich verbücherte Kaufverträge aus dem österreichischen Grundbuch sowie Lageinformationen, um eine automatisierte Einschätzung einer Immobilie zu erstellen.

metamagix setzt bei der datenbasierten Steuerung von Immobilienbeständen an. Die Software ICRS bündelt Prozesse von Planung und Ankauf über Betrieb und Entwicklung bis zu Vermarktung, Controlling und Stakeholder-Kommunikation auf einer Plattform.

Layest richtet den Blick bereits auf den nächsten Entwicklungsschritt: KI-Agenten, die nicht nur Informationen liefern, sondern Aufgaben in betrieblichen Prozessen selbstständig ausführen.

Oracom beschäftigt sich mit der Automatisierung der Kunden- und BewohnerInnenkommunikation. KI-gestützte Systeme bearbeiten Anfragen über Kanäle wie Telefon, E-Mail, Webformulare, Chat und Messenger und sollen damit insbesondere Unternehmen mit hohem Kommunikationsaufkommen entlasten.

AeroSurvey zeigte, dass Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft weit über klassische Software hinausgeht. Das Unternehmen erfasst Gebäude mithilfe von Drohnen und erstellt daraus unter anderem georeferenzierte Bilddaten, 3D-Modelle und Punktwolken, die etwa für Bestandsdokumentationen, Gebäudeinspektionen oder Planungen genutzt werden können.

Propstack brachte zum Abschluss den Blick zurück in die tägliche Immobilienvermarktung. Das Immobilien-CRM verknüpft Kontakte, Objekte, E-Mails und Angebote und ergänzt diese Prozesse zunehmend um KI-Anwendungen – beispielsweise bei Objektaufnahmen, Bildbearbeitung und Kommunikation.

Daten gibt es genug – entscheidend ist ihre Nutzung

Nach den Präsentationen richtete die abschließende Podiumsdiskussion den Blick auf die größeren Veränderungen in der Branche. Jasmin Soravia (Immobilienexpertin & Business Angel), Kerstin Koppensteiner (Director TPA Austria), Klaus Walchhofer (Immobilienexperte bei KOKRON-Immobilien) und Klemens Braunisch (Head of Study programs Real Estate Management an der FHWien der WKW) diskutierten unter der Moderation von Walter Senk (Chefredakteur der unabhängigen Immobilien-Redaktion) darüber, wo die Immobilienwirtschaft bei Digitalisierung und KI aktuell steht und welche Herausforderungen noch vor ihr liegen.

Ein zentraler Punkt: Die Branche verfügt bereits über zahlreiche digitale Einzellösungen, eine umfassende und durchgängig prozessgesteuerte Digitalisierung steht jedoch vielerorts noch aus.

Besonders deutlich zeigt sich die Herausforderung bei Bestandsimmobilien. Während Vertrieb und Kundenbetreuung bereits vergleichsweise stark digitalisiert sind, fehlt bei älteren Gebäuden häufig eine strukturierte Datenbasis. Informationen zu Verträgen oder Gebäuden liegen teilweise noch in physischen Ordnern und müssen für Transaktionen mühsam zusammengetragen werden. Bessere Daten könnten Prozesse wie Vertragsmanagement, Dokumentenkontrolle und Auswertungen stärker automatisieren und damit auch Transaktionen beschleunigen.

Was übernimmt KI in fünf Jahren?

Beim Blick in die nähere Zukunft herrschte vor allem bei standardisierten und repetitiven Aufgaben großes Automatisierungspotenzial. Gleichzeitig setzte die Diskussion klare Grenzen: Verantwortung und Haftung können nicht einfach an eine KI übertragen werden. Auch Verhandlungen und Entscheidungen, für die Erfahrung, Kontext und Verantwortung notwendig sind, bleiben Aufgaben qualifizierter ExpertInnen.

Damit verändert KI auch die Anforderungen an die Ausbildung. Wenn digitale Systeme immer mehr grundlegende Aufgaben übernehmen, besteht die Gefahr, dass BerufseinsteigerInnen bestimmte fachliche Grundlagen nicht mehr selbst erlernen. Hochschulen stehen daher vor der Aufgabe, neue Technologien in die Lehre zu integrieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass Studierende weiterhin das notwendige fachliche „Handwerk“ beherrschen.

Der vierte Digital Real Estate Day machte damit vor allem eines deutlich: Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft besteht nicht aus einer einzelnen Technologie. Entscheidend wird vielmehr, wie Unternehmen vorhandene Daten zusammenführen, daraus funktionierende Prozesse entwickeln und neue Technologien dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert schaffen.

>> Mehr Informationen über den Studienbereich Real Estate Management