Irgendwann taucht sie auf, diese eine Frage, die sich gleichzeitig riesig und sehr alltäglich anfühlt: Was soll ich stu-dieren? Während andere scheinbar schon seit Jahren wissen, wohin die Reise geht, steht man selbst oft noch vor ganz vielen Fragezeichen. Studiengänge recherchiert, Studienpläne überflogen, ein paar TikToks über „Traumjobs“ gesehen und trotzdem bleibt der eine Gedanke hängen: Welches Studium passt wirklich?
Die gute Nachricht: Eine Studienentscheidung lässt sich strukturieren. Nicht als perfekter Plan fürs ganze Leben, aber als nächster sinnvoller Schritt.
Warum fühlt sich die Entscheidung oft so schwer an?
Viele Studiengänge klingen auf den ersten Blick ähnlich. Dahinter stecken aber oft komplett unterschiedliche Inhalte, Berufsbilder und Arbeitsweisen. Dazu kommt: Die meisten Menschen wissen mit 18, 20 oder auch 30 nicht „einfach so“, was fürs ganze Leben passen soll. Das muss auch nicht sein.
Hilfreicher ist ein anderer Blickwinkel:
- Studium als Startpunkt: Kompetenzen aufbauen, Praxis sammeln, Menschen kennenlernen
- Studium als Testlauf: herausfinden, welche Richtung wirklich motiviert
- Studium als Karriere-Basis: ein Abschluss öffnet Türen und verbessert Chancen am Arbeitsmarkt
Gerade an einer Fachhochschule ist dieser „Startpunkt“-Gedanke besonders greifbar, weil Praxis und Anwendung im Studium eine große Rolle spielen.
Was soll ich studieren? Wie finde ich ein Studium, das mir gefällt?
Die Wahl des Studiums ist selten ein geradliniger Weg. Eher eine Mischung aus Bauchgefühl, Interessen, Gesprächen mit FreundInnen und Familie, Internet-Recherche und dem berühmten „Aha, das klingt nach mir“-Moment. Für mehr Klarheit hilft ein kurzer Check folgender drei Themen:
1. Interessen:
„Interesse“ ist oft schwer greifbar. Viel konkreter ist die Frage: Wie sieht ein typischer Arbeitstag in einem Job aus, der spannend wirkt? Was interessiert mich wirklich im Alltag? Was macht mir Spaß? Was waren meine Lieblingsfächer in der Schule?
- Arbeite ich lieber mit Menschen oder tüftle ich konzentriert allein an Themen?
- Bin ich gerne kreativ tätig oder analysiere und strukturiere ich lieber?
- Plane und organisiere ich gerne oder erfinde ich Stories und brainstorme Ideen?
- Beschäftige ich mich gerne mit Prozessen im Hintergrund oder kommuniziere ich gerne Themen nach außen?
- Arbeite ich gerne im Team oder selbstständig?
- Welche Themen sprechen mich an und wecken meine Aufmerksamkeit?
- Welche Inhalte geben mir Energie (Podcasts, Videos, Gespräche)?
- Neugier: Was wird „nur kurz gegoogelt“ und endet erst 40 Minuten später?
Je genauer das Bild vom Alltag wird, desto leichter fällt die Studienentscheidung.
2.Stärken:
Stärken sind nicht nur „Fächer, die in der Schule gut liefen“. Oft sind es Muster im Verhalten:
- Was fällt mir leichter als anderen, oder macht Spaß, auch wenn es anstrengend ist?
- Organisiere ich gerne, behalte Deadlines im Blick und bringe Struktur ins Chaos?
- Kann ich komplexe Inhalte so erklären, dass es andere wirklich verstehen?
- Finde ich schnell kreative Lösungen, arbeite gern visuell oder mit Sprache?
- Kann ich gut mit Zahlen umgehen und verstehe ich wirtschaftliche Zusammenhänge?
- Bin ich handwerklich geschickt und bin ich gut im Tüfteln, Zusammenbauen und Reparieren?
- Habe ich eine gute Menschenkenntnis und kann gut mit Menschen?
- Bleibe ich ruhig und behalte den Überblick, wenn viel gleichzeitig passiert?
Wichtig: Stärken sind kein Abschlusszustand und nichts, das schon perfekt beherrscht werden muss. Ein Studium ist genau dafür da, Fähigkeiten auszubauen. Entscheidend ist eher, welche Skills gern trainiert werden.
3. Zielbild und Werte:
Was soll mir mein Studium ermöglichen? Welche Werte, wie z. B. Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, Toleranz, Demokratie etc., spielen für mich eine Rolle?
- Sicherheit (klare Berufsbilder, stabile Branchen)
- Abwechslung (Projekte, unterschiedliche Aufgaben, neue Themen)
- Sinn (gesellschaftliche Wirkung, Inhalte mit Bedeutung)
- Gestaltung (kreativer Output, Kommunikation, Innovation)
- Aufstieg (Karrierepfade, Führungs- oder ExpertInnenrollen)
- Flexibilität (Arbeiten in verschiedenen Branchen möglich)
Je stärker ein Studiengang zu den eigenen Werten passt, desto leichter wird das Dranbleiben, auch wenn es mal stressig wird.
Wie finde ich schnell Orientierung?
Wenn die Auswahl zu groß wird, hilft ein strukturierter Einstieg: Der kostenlose Studienwahl-Test „Was soll ich studieren?“ der FHWien der WKW führt in wenigen Minuten zu passenden Studienrichtungen im Bereich Management & Kommunikation.
>> Zum Studienwahl-Test „Was soll ich studieren?“ (kostenlos)
Tipp: Betrachten Sie das Ergebnis nicht als „Fix-Zuteilung“, sondern als Startpunkt für weiteres Vergleichen und Recherchieren. Die Info-Veranstaltungen der jeweiligen Studiengänge liefern dann noch mehr Einblicke in Inhalte, Ablauf und Studienalltag.
Weitere Unterstützungsmöglichkeiten:
- Überblicksplattformen (zum Beispiel: fachhochschulen.ac.at)
- Studienwahlberatung
- Potenzialanalyse (zum Beispiel: BiWi – Berufsinformationszentrum der Wiener Wirtschaft)
Nächster Schritt: Wie komme ich zu einer Entscheidung?
Ein Studienwahl-Test oder eine erste Favoritenliste ist der Anfang. Danach hilft ein kurzer, klarer Ablauf, um aus verschiedenen Optionen eine Entscheidung zu treffen.
Schritt 1: Top 3 festlegen ✅
Nicht zehn Optionen parallel offenlassen. Drei reichen, um gut vergleichen zu können.
Schritt 2: Pro Studiengang drei Fragen beantworten 📝
- Was wird gelernt? (Inhalte, Schwerpunkte, Wahlmöglichkeiten)
- Wie wird gelernt? (Projekte, Praxisbezug, Gruppenarbeiten, Prüfungsformen)
- Wofür qualifiziert das? (Rollen, Aufgabenbereiche, Branchen, Berufsfelder, typische Einstiegsjobs)
Schritt 3: Passt das für die nächsten Jahre? 🎯
Nicht jede einzelne Lehrveranstaltung muss begeistern. Aber die Grundlogik des Studiums sollte sich stimmig anfühlen: Themen und Schwerpunkte, Lernform und Job-Perspektiven.
Nicht „für immer“, sondern „für jetzt“
Eine Studienwahl ist keine Entscheidung für immer, sondern eine für den nächsten Schritt: für Skills, Praxis, Kontakte und Perspektiven. Gerade ein praxisorientiertes Studium macht es leichter, Interessen und Stärken real zu testen, statt nur darüber nachzudenken. Und genau daraus entstehen oft die besten Karrierewege.
Wenn am Ende ein Studiengang übrigbleibt, der neugierig macht und sich nach Entwicklungsmöglichkeiten anfühlt, ist das schon sehr viel. Der Rest ergibt sich unterwegs, mit Projekten, Menschen, Praxis und dem Mut, Dinge auszuprobieren.
Neugierig auf ein praxisnahes Studium an der FHWien der WKW?