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Platz für Wutschreiber! Forschungsprojekt analysiert Leserbriefe in der Kronen Zeitung

17. Juni 2020

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt der FHWien der WKW und der Universität Innsbruck wurden Leserbriefe in der Kronen Zeitung untersucht. Die Ergebnisse zeigen einen deutlich negativeren Ton als bei Artikeln der Redaktion. Lieblingsthemen: EU, Sicherheit und Migration

©APA/AFP/JOE KLAMAR
©APA/AFP/JOE KLAMAR

Leserbriefe unterstützen den demokratischen Meinungsbildungsprozess, denn Bürgerinnen und Bürger können Seite an Seite mit Politikerinnen und Politikern einer breiten Öffentlichkeit ihre Meinungen und Standpunkte zu aktuellen Themen mitteilen. In der Kronen Zeitung ist dafür sogar sieben Tage die Woche, auf zwei bis drei Seiten Platz.

Uta Rußmann (FHWien der WKW) hat gemeinsam mit Lore Hayek und Manuel Mayrl (Universität Innsbruck) mittels quantitativer Inhaltsanalyse 530 Leserbriefe in der Kronen Zeitung während der Nationalratswahlkämpfe 2008, 2013 und 2017 untersucht. Zudem wurden aus der AUTNES-Nachwahlbefragung die politischen Positionen von Kronenzeitungsleserinnen und -lesern (Personen, die angaben, regelmäßig die Kronen Zeitung zu lesen) herangezogen.

Kurz zusammengefasst: Leserbriefseiten unterscheiden sich hinsichtlich der Themenschwerpunkte vom redaktionellen Teil der Kronen Zeitung – diese ergänzen die Agenda der Kronen Zeitung. Während die Außenpolitik und Arbeitsmarktpolitik eher im redaktionellen Teil zu finden ist, beschäftigen die Leserbriefschreiberinnen und -schreiber vorwiegend die Themen Migration, Sicherheit und EU. Und die Leserbriefe treffen die Meinung der (regelmäßigen) Leserschaft der Kronen Zeitung. Allerdings ist der Ton der Leserbriefe deutlich negativer als der Ton der Artikel im Politikteil der Zeitung.

Unzufriedenheit macht sich besonders breit, wenn es direkt um den Wahlkampf geht. Leserbriefseiten bieten den Bürgerinnen und Bürger also Raum, um sich Luft zu machen!

Die Ergebnisse wurden diesen Monat in Journalism Studies veröffentlicht und können dort im Detail nachgelesen. Zudem haben die AutorInnen einen Beitrag im Politikwissenschaftsblog auf derstandard.at veröffentlicht (beide Links in Seitenleiste).