Die Kommas in der Gruft

Kategorie: Aktuelles, Kommunikation, Marketing & Sales

Studierende des Instituts für Kommunikation, Marketing & Sales berichten von Ihren Erfahrungen als Köche in der Zweiten Wiener Gruft.
Studierende in der Zweiten Wiener Gruft

Studierende in der Zweiten Wiener Gruft

Obwohl die Reifen des Kombis nach Entlastung zu flehen schienen, taten sie klaglos ihren Dienst. Der Kofferraum nahm den gesamten Einkauf entgegen und das war insofern beachtlich, da wir uns vorbereiteten in einer Großküche für etwa 200 Personen zu kochen.

Dank einer großzügigen Spende der FHWien der WKW wurde uns, dem zweiten Semester des Kommunikationswirtschafts-Jahrgang BB-Block nämlich ermöglicht, die Zweite Wiener Gruft zu bekochen.

Aber alles von Anfang an. Im Februar wurden wir durch eine Facebook-Anzeige der Caritas darauf aufmerksam, dass die Gruft nach freiwilligen Personengruppen sucht, die sich bereit erklären für obdachlose Menschen einzukaufen und daraus eine Mahlzeit zuzubereiten. Sofort war klar, dass das etwas für uns ist und im Handumdrehen waren mehr als genug Leute zusammen, die sich hierfür bereit erklärten. Da so ein Großeinkauf jedoch für uns als Studenten einen sehr großen finanziellen Aufwand bedeutet, fragten wir bei unserer Fachhochschule an, ob diese bereit wäre uns hierbei zu unterstützen. Als wir die Antwort hierauf bekamen, waren wir überwältigt. Die FH spendete uns zu diesem Zweck sogar so viel, dass wir zwei Kochgruppen bilden konnten!

Dankbar und voller Tatendrang machten wir uns also an die Vorbereitungen. Der Termin war schnell vereinbart, aber der Rest stellte uns zu Beginn natürlich vor einige Herausforderungen – denn für so viele Personen zu kochen ist gar keine so leichte Angelegenheit.

Was kocht man da am besten? Welches Gericht kann man sowohl vegetarisch als auch mit Fleisch zubereiten? Und welche Mengen benötigen wir eigentlich?

Dank den Info-Foldern der Caritas und diversen Umrechnungsfunktionen auf Online-Kochseiten konnte das jedoch schnell gelöst werden und wir entschieden uns für ein Erdäpfelgulasch bzw. Spaghetti Bolognese und Obstsalat zur Nachspeise. Also zogen wir los und fanden uns bewaffnet mit 50kg Erdäpfel, 60 Paar Würstel, 20kg Bananen und diversen anderen Zutaten im XXL-Format um jeweils 8.30 Uhr in der Gruft ein.

Angekommen bekamen wir Küchenkittel und eine kurze Einweisung um uns gleich tatkräftig an die Arbeit machen zu können. Aufgeteilt in kleine Grüppchen wurden Erdäpfel geschält, Obst und Würstel geschnitten, während andere über einem Haufen Zwiebeln Tränen vergossen. Während in der Küche die Gemüsesuppe vor sich hin köchelte und die anderen Zutaten darauf warteten zu Obstsalat und Gulasch verarbeitet zu werden, versammelten sich in den Aufenthaltsräumen mehr und mehr Leute. Begleitet von Musik, guter Stimmung und Geschirrgeklimper, nahmen unsere Kochversuche langsam Gestalt an.

Mit ein wenig Verspätung konnten wir beginnen die Speisen auszugeben. Wir wurden schon sehnlichst und teilweise ungeduldig erwartet. Es war aufregend und zugleich berührend, soviele unterschiedliche Gesichter zu sehen, die so viele Geschichten zu erzählen hatten. Wir bekamen sehr viel Dankbarkeit zu spüren.

Ehe die Überreste für den Abend verstaut wurden, lud uns der Koch Pascal ein nun uns selbst zu verköstigen und das taten wir mit Freude.

Nachdem in der Küche langsam wieder Ruhe einkehrte, führte uns Pascal durch die Räumlichkeiten der Gruft. Wir sahen die Aufenthaltsräume, in denen es die Möglichkeit gibt sein Hab und Gut sicher zu verstauen, sowie einen Schlafsaal, der im Winter täglich von 19 bis 7h in der Früh für Menschen geöffnet wird. Die Gruft bietet Unterschlupf für die unterschiedlichsten Menschen, von Müttern mit ihren Neugeborenen bis hin zu einem älteren Herren, der diesen Platz schon seit 20 Jahren sein zu Hause nennt und als selbsternannter Hausmeister für Ordnung sorgt.

Der Besuch in der Gruft hat großen Spaß gemacht und uns zugleich auch sehr berührt. Es hat uns gezeigt, wie wenig Aufwand es in Wahrheit bedarf, etwas beizutragen. Wir waren uns auf jeden Fall alle einig, nicht das letzte Mal für die Gruft gekocht zu haben.

Unser Dank gilt der FHWien der WKW, die uns diese großartigen zwei Tage ermöglicht hat!

Text und Fotos von: Beatrice Kotzina, Peter Michael Kellner und Mirjam Trampert

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